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Stefan

grün.gut.besser.

 

Man kennt sie aus der Stadt und aus dem Fernsehen. Marianne Meili zeigte im Programm Kassensturz, wie man kompostiert und worauf man achten soll. Seit 1996 ist sie in der Stadt St. Gallen unterwegs und zeigt den verantwortungsvollen Umgang mit biogenen Wertstoffen.

 

OstSinn: Seit 1996 arbeiten Sie in der Stadt St. Gallen als Kompost- und Grüngutberaterin. Was bedeutet es genau?

Marianne Meili: 20 Jahre lang habe ich nur reine Kompost-Animationsarbeit geleistet, weil bis 2017 St. Gallen als einzige grosse Stadt in der Schweiz keine Grüngutabfuhr hatte, ausschliesslich dezentrale Kompostierung war angesagt. Die Stadt hat ab dem August 1996 eine 50%-Stelle geschaffen, um die gewachsenen Strukturen, die sich zum Teil seit Beginn der 80er Jahre entwickelt hatten, zu unterstützen. Aber auch, um neue Stadtbewohner*innen zu animieren, zum Beispiel ganz dezentral bei ihrem Mehrfamilienhaus zu kompostieren. Da habe ich dann meine volle Energie reingesteckt. Es war sehr anspruchsvoll, da es ja einiges braucht, bis sich die Leute überwinden, wirklich Hand anzulegen, verantwortungsbewusst zu trennen, dann unterzumischen, ab und zu den vollen Kompostbehälter wieder zu leeren und den reifen Kompost auszusieben. Das alles war sicher schwieriger als zum Beispiel jetzt ein Grüngutabonnement zu verkaufen. Bei der Grüngutabfuhr stellt sich vor allem die Herausforderung, dass die Leute absolut sauber trennen. Dabei dürfen grosse Stücke, zum Beispiel eine ganze Melone, in den Grüngutcontainer geworfen werden. In der Kompogasanlage wird danach alles zerhackt, zu einem dickflüssigen Brei aufgeschwemmt und anschliessend im Fermenter vergärt, so dass Biogas gewonnen wird. Es ist ein ganz anderer Verarbeitungsprozess, ohne Luftzufuhr mit anaeroben Bakterien, ganz im Gegensatz zur Kompostierung, wo sauerstoffliebende Bakterien am Werk sind und Humus resultiert.

Wo ist diese Vergärungsanlage?

Die Vergärungsanlage steht in Niederuzwil. In der Stadt St. Gallen sammeln wir das Material und lagern es in der Deponie Tüfentobel, wo genügend Platz vorhanden ist, in Grossmulden. Von dort erfolgen 2-3 Grosstransporte pro Woche, damit wir nicht jedesmal mit dem Sammelfahrzeug nach Niederuzwil fahren müssen, um zu leeren.

Ist das eine logistische Massnahme, womit man CO2 sparen kann?

Absolut.

Ich habe gehört, dass die Methode Vorkompostierung aus der Stadt St. Gallen stammt. Stimmt dies?

Ja, man kann es tatsächlich so sagen. Agi Fleury, eine andere Kompostberaterin, welche den Kompostplatz Ziel mitbegründete, hat beim Besuch einer über neunzigjährigen Frau bei ihr in der Küche beobachtet, dass immer, wenn sie am Küchentisch vorbeiging, sie kurz in einem Gefäss rührte, das dort stand. Agi Fleury wunderte sich und fragte die Frau, was sie denn da mache. Sie antwortete, dass sie in diesem Kübeli kompostieren würde, sie gehe im Winter sicher nicht nach draussen dafür. Ihr Rezept war ganz einfach: Sie hat das Kübeli zu einem Drittel mit etwas Erde und trockenem Laub sowie zerkleinerten Ästlein gefüllt und in diese Mischung dann laufend ihre auf ungefähr 2-3 cm klein geschnitten Rüstabfälle untergerührt. Mit dieser Methode hat es immer genügend Sauerstoff im kompostierenden Material und das ist absolut wichtig, denn nur so sind die richtigen Bakterien am Arbeiten, konkret am Ab- und Umbauen des Bioabfalls zu neuem Humus. Ein Vorteil dabei ist, dass die Verrottung quasi schon zu Hause beginnt, sich das Volumen dadurch stark verkleinert und das Material schon zerkleinert und gemischt auf dem Kompostplatz angeliefert wird. Damit ist die Verarbeitung um einiges angenehmer für die freiwilligen Helfer*innen auf dem Platz, da das Material schon vorverrottet ist.