Tauschmobil
Blogpost

Das Tauschmobil – Teilen statt Kaufen in St.Galler Quartieren

Im Rahmen des Projekts ShareGallen stellen wir das Tauschmobil vor – ein niederschwelliges Angebot zum kostenlosen Tauschen von Gegenständen in der Stadt St.Gallen.

Was ist das Tauschmobil?

Das Tauschmobil ist ein mobiler Wagen, in dem nicht mehr benötigte Dinge deponiert und gegen andere nützliche Gegenstände eingetauscht werden können. Ganz einfach und kostenlos. Für mehrere Monate tourt der Wagen durch die Stadt. Die drei Standorte sind das Areal Bach, das Lachen-Quartier und die Kantonsschule St.Gallen.

Initiiert wurde das Projekt im Rahmen des städtischen Energiekonzepts 2050 und der Kampagne „Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral“, in Zusammenarbeit mit der Klimaschutzorganisation MYBLUEPLANET und engagierten Personen aus den beteiligten Quartieren. 

Eine dieser Personen ist Larissa vom Areal Bach, die das Tauschmobil mit einem Team von Freiwilligen vor Ort betreut. Sie erzählt uns in diesem Beitrag mehr über das Projekt.

 

„Ich muss jetzt ran – gemacht ist gemacht.“

 

Was motiviert euch beim Tauschmobil mitzumachen?

Viele Dinge braucht man nur für eine gewisse Zeit – oder der Geschmack verändert sich. Statt sie wegzuwerfen oder zu verkaufen, ist es sinnvoller, sie weiterzugeben. Vielleicht kann jemand anderer genau das gut gebrauchen.

Darüber hinaus finde ich es sinnvoll, dass das Angebot zeitlich begrenzt ist. Wenn das Tauschmobil immer da wäre, würde man das Ausmisten aufschieben. So entsteht ein positiver Druck: Jetzt oder nie! 

Eine Person meinte kürzlich vor dem Wagen: “Ich muss jetzt ran – gemacht ist gemacht.” Genau darum geht’s.

 

GRÖSSERE REICHWEITE, STÄRKERE GEMEINSCHAFT

 

Wie hat sich das Tauschmobil im letzten Jahr verändert?

Im vergangenen Jahr war das Tauschmobil nur ein Projekt im Areal Bach. Dieses Jahr ist es Teil der städtischen Kampagne „Gemeinsam wirkt – St.Gallen wird klimaneutral“ – und profitiert spürbar von der breiteren Einbettung und dem Einbezug weiterer Quartiere.

Die Wirkung zeigt sich deutlich: Menschen kommen nicht mehr nur aus dem Quartier, sondern aus der ganzen Stadt. Das Angebot ist sichtbarer geworden – und wird im Alltag aktiv genutzt und geschätzt.

„Tolles Angebot – danke! Wäre schön, wenn es immer da wäre.“
 – Eintrag im Gästebuch des Tauschmobils

 

Wie wird das Angebot im Alltag genutzt?

Laut Auswertung von MYBLUEPLANET nutzen unter der Woche durchschnittlich 20 Personen pro Tag und bis zu 30 am Wochenende das Angebot. Der Standort Areal Bach zeigt sich dabei besonders ausgewogen: Es wird ungefähr gleich viel gebracht wie mitgenommen – der Wagen ist nie ganz leer oder voll.

 

Gab es besondere Momente oder Begegnungen, die dir in Erinnerung geblieben sind?

Beim Aufräumen entstehen oft kleine Begegnungen. Viele bedanken sich oder sind erstaunt, dass man einfach etwas nehmen darf – auch ohne etwas mitzubringen. Wenn jemand zögert, können wir die Interessierten ermutigen.

Ein paar Highlights:

  • Nach einem Umzug wurden viele hochwertige Dinge gebracht, die in der neuen Wohnung keinen Platz mehr fanden.
     
  • Eine Familie mit Kind blieb lange, als gerade schöne Kindersachen im Wagen lagen – sie haben danach alles ordentlicher als vorher sortiert zurückgelassen.

Die Erfahrung zeigt: Die Menschen nutzen das Angebot respektvoll und sorgfältig.

 

Was wird oft getauscht – und was überrascht?

Zu den Dauerbrennern gehören Kleider und Bücher, aber auch Handtaschen und Schuhe. Besonders begehrt sind gut erhaltene und hochwertige Dinge, aber auch praktische Alltagsgegenstände wie Flaschenöffner oder Wäscheklammern – die sind oft am gleichen Tag wieder weg. 

Doch es gibt auch Überraschungen: Steppschuhe, glitzernde 3D-Bilder, alte Radios, Schaukelpferde, 50er Jahre Vintage-Teekannen – selbst skurrile oder aus der Zeit gefallene Gegenstände finden irgendwann neue Besitzer:innen.

Bei gewissen Gegenständen habe ich mir gedacht, dass sie aussortiert werden sollten, weil diese nicht auf Interesse stossen werden. Aber ich habe mit der Zeit gelernt: „Es gibt nichts, das nicht irgendwann mitgenommen wird!“

 

Wie läuft die Betreuung des Tauschmobils ab?

  • Öffnungszeiten: täglich von 10 Uhr bis 19 Uhr
  • Sonntags geschlossen – wegen des Flohmarkts im Areal Bach (alle 2 Wochen)
  • Betreuung: jemand vom Team muss jeden Tag den Wagen auf- und abschliessen
  • Pflege: Aufräumen, sortieren, selten entsorgen (nur bei kaputten oder gefährlichen Gegenständen)
  • Transport zwischen Standorten: Der gesamte Inhalt wird in Boxen verpackt und von einem Quartier zum nächsten gebracht. Den Transport übernimmt das Team von MYBLUEPLANET

 

Wie funktioniert die Organisation und wo gibt es Herausforderungen?

Die Betreuung des Tauschmobils (täglich Öffnen, Schliessen und Aufräumen) übernehmen derzeit fünf Personen aus dem Quartier – sie stammen aus einer rund 30–40 Personen umfassenden Freiwilligengruppe. Bei neuen Projekten wird in der Gruppe ein Aufruf gemacht, und daraus formiert sich jeweils ein passendes Team.

Eine Herausforderung: Manchmal werden zu grosse Gegenstände abgegeben, die den Raum blockieren. Ideal ist, wenn alles ins Regal passt – so bleibt der Wagen schön übersichtlich.

 

Ausblick – Was bringt die Zukunft des Teilens?

Ich wünsche mir, dass solche Sharing-Angebote fester Bestandteil des Alltags werden. Das Tauschmobil zeigt, dass es nicht nur um Klimaschutz geht – sondern auch um Freude, Geldersparnis und Überraschung. Es ist ein niederschwelliger Einstieg in nachhaltiges Denken.

Die mobile Form hat sich bewährt:

  • kompakt genug, um das Angebot auf einen Blick zu erfassen
  • ortswechselnd
  • zeitlich begrenzt

Jeden Tag ist es fast wie ein Memory-Spiel: Was ist neu, was ist weg? Jeder sortiert nach einer eigenen Logik – das macht es lebendig.

 

Veranstaltungen & Termine

  • Ab Mitte August: Das Tauschmobil ist im Lachen-Quartier
  • 10.9.-4-10. : Rückkehr ins Areal Bach
  • Do, 18. September (Klimawoche St.Gallen): Swap & Smile Tauschtreff mit Workshops – Tauschangebote erweitert mit Pflanzentausch, Samentausch, Workshops (Blumentöpfe basteln, Papierschöpfen) und geselligem Zusammensein. 

 

Sharing am Areal Bach – dauerhaft und vielfältig

Das Areal Bach ist ein Ort des gelebten Teilens:

  • Dienstags: Food-Sharing durch das Projekt „Food Chat“
  • Alle 2 Wochen: Flohmarkt
  • Ab Sommer/Herbst 2025: Start von Madame Frigo – öffentlicher Kühlschrank für Lebensmittel-Sharing
  • Permanent: Bücherschrank

Das gesamte Areal ist an sich ein Sharing-Angebot, es kann kostenlos von Menschen aus dem Quartier genutzt werden – für eigene Ideen, Projekte und Begegnungen. Jede*r ist eingeladen, sich einzubringen.

 

Mehr über das Projekt ShareGallen und nachhaltige Initiativen in der Ostschweiz findest du auf sharegallen.ch und ostsinn.ch

 

Kategorie

Konsum & Ressourcen la la-lightbulb-o
zuletzt aktualisiert am: 2. September 2025

Veranstaltungen zu diesem Thema

Initiativen und Blogbeiträge zu diesem Thema

Blogpost

Die Kraft eines Vortrags

29. September 2025
Initiative

RegioHerz

28. Mai 2025
Initiative

Swap St.Gallen

24. Mai 2025