Die Idee
Mehr Bewegung für alle – spontan, kostenlos und draussen. Mit den neuen Sportboxen setzt die Stadt St.Gallen ein starkes Zeichen für niederschwellige Bewegungsförderung. Im folgenden Interview beleuchtet Petra Müller, Projektinitiatorin, die Hintergründe, Erfahrungen und Visionen des Projekts.
Was sind die Sportboxen genau?
Die Sportboxen sind solarbetriebene Outdoor-Schliessfächer, gefüllt mit Sport- und Spielmaterial – von Fussbällen und Frisbees bis hin zu Jonglierbällen, KUBB oder Springseilen. Über die App „BoxUp“ können Nutzer:innen ein Fach öffnen, Material entnehmen und sofort loslegen – kostenlos, ohne Voranmeldung und rund um die Uhr. Seit März 2025 sind drei solcher Boxen mit jeweils sechs Fächern an drei Standorten der Stadt installiert.
Wie entstand die Idee?
Die Idee ist aus langjähriger Arbeit im Bereich Bewegungs- und Gesundheitsförderung entstanden – sowohl im Schul- als auch im Freizeitkontext, mit dem Ziel, über ein niederschwelliges Angebot Bewegung zu fördern.
Petra Müller, Initiantin des Projekts, bringt über 20 Jahre Erfahrung in der Bewegungsförderung mit, u.a. durch das Programm Purzelbaum.
Die Umsetzung der Idee nahm 2024 Fahrt auf, als sich auch das Legacy-Team der Frauenfussball-Europameisterschaft 2025 mit seinen Überlegungen einbrachte. Mit dem Ausleihsystem sollen möglichst alle Zielgruppen der Bevölkerung erreicht und eine bewegte Freizeitbeschäftigung im Freien angeboten werden.
Wo stehen die Sportboxen und warum genau dort?
Die Standorte wurden gezielt ausgewählt, mit dem Fokus auf öffentliche Orte, wo genügend Platz zur Verfügung steht und wo sich viele Menschen begegnen. Aus vielen möglichen Standorten fiel die Wahl schlussendlich auf die drei Standorte Kreuzbleiche, Stadtpark und das Schulareal Krontal, aus folgende Gründe:
- Kreuzbleiche: Grosszügige Fläche, vielfältige Zielgruppen – Quartierbewohnerinnen und Quartierbewohner, Sportlerinnen und Sportler, Familien, ältere Menschen. Ganzjährig frequentiert, tagsüber wie abends.
- Stadtpark: Saisonal stark genutzt, besonders bei schönem Wetter. Beliebter Treffpunkt für Familien.
- Schulareal Krontal: Ergänzt das Bewegungsangebot für Kinder direkt nach dem Schulschluss.
Wie funktioniert die Nutzung der Boxen?
Die Nutzung ist unkompliziert und erfolgt über die BoxUp App in fünf einfachen Schritten:
- App herunterladen und registrieren (einmalig mit Foto und ID)
- Ein Fach auswählen und öffnen
- Material entnehmen und benutzen
- Nach der Nutzung zurücklegen, Foto hochladen
- Feedback geben (z. B. bei Defekten)
Eine Reservation ist nicht möglich, was spontane Nutzung ermöglicht. Nur ein Fach kann pro Nutzerin oder Nutzer gleichzeitig geöffnet werden, jedoch beliebig oft während der Nutzung. So lassen sich auch Rucksäcke oder persönliche Gegenstände einschliessen.
Welche Materialien sind in den Fächern enthalten?
Das Angebot variiert je nach Standort, umfasst aber u.a.:
- Fussbälle, Basketbälle, Frisbees
- Jongliermaterial, Springseile, KUBB
- Ping-Pong-Schläger und Bälle (sofern Tisch vorhanden), Badminton Sets
- Spikeball, Kanjam
Das Ziel ist es, einen ausgewogenen Mix aus bekannten und neuen Spielen für alle Altersgruppen anzubieten. Die Auswertungen der ersten Wochen zeigen, dass die Klassiker Fussball und Basketball besonders beliebt sind.
Wie gross ist die Nachfrage bisher?
Seit dem Start Mitte März 2025 wurden in den ersten acht Wochen über 1000 Nutzerinnen und Nutzer gezählt - mit einer Gesamtzeit von rund 500 Stunden Nutzung (entspricht 20 Tagen am Stück). Die Altersspanne reicht von 11 bis 92 Jahren. Es kann bereits ein starker Einfluss von Wetter sowie von der Saison festgestellt werden. Wenn das Wetter schön ist und die Tage länger werden, wird das Angebot häufiger genutzt.
Gab es Probleme mit Diebstahl oder Vandalismus?
Die bisherigen Erfahrungen sind sehr positiv. Durch die verpflichtende Registrierung mit Ausweis und die Rückmeldung per Foto bei Rückgabe gibt es kaum Missbrauch. Ein einzelner Fussball wurde zwar gegen einen anderen getauscht, sonst gab es keine Zwischenfälle. Die Boxen sind robust und langlebig, abgenutzte Materialien werden im Rahmen eines Servicevertrags mit BoxUp ersetzt oder rotiert.
Diese gute Erfahrung ist im Einklang mit vielen anderen Schweizer Städten, welche die Sportboxen schon länger im Einsatz haben.
Gibt es Pläne für den Winter oder für weitere Standorte?
Ein Winterangebot - mit geeignetem Material für die kalte Jahreszeit - ist bereits in der Prüfung. Auch neue Standorte sind denkbar. Vorerst liegt der Fokus aber auf der Evaluation der drei bestehenden Boxen. Dank Solarbetrieb und mobiler Konstruktion lassen sich die Boxen bei Bedarf unkompliziert verschieben - ganz ohne Baubewilligung oder Stromanschluss.
Wie wird die Bevölkerung einbezogen?
Beim Schulhaus Krontal Standort ist vorgesehen, die Kinder in die Materialwahl einzubeziehen. Wünsche sollen partizipativ gesammelt werden. Die Inhalte der Boxen wurden bisher nach Standortgegebenheiten (z.B: Fussball- oder Basketball-Feld) zusammengestellt. BoxUp bietet insgesamt rund 50-60 verschiedene Materialien an - auch Gesellschaftsspiele sind möglich.
Gibt es weitere Ideen?
Denkbar sind spielerische Wettbewerbe in den Quartieren, Ergänzungen durch Fitnessgeräte oder auch ein App-basiertes Ausleihsystem für Sportgeräte in Schulturnhallen.
Wie ist das Projekt eingebettet?
Das Projekt ist Teil der Bewegungsförderung der Dienststelle Sport der Stadt St.Gallen und wird auch im Rahmen des Legacy-Programms der UEFA Women’s EURO 2025 unterstützt. St.Gallen ist Host-City von drei Vorrundenspielen im Juli 2025. BoxUp fördert gemeinsame Bewegungsaktivitäten im Freien und ermöglicht generationenübergreifende Begegnungen und Interaktionen, alles verpackt in einem innovativen Sharing-Modell. Das Teilen von Gegenständen leistet einen Beitrag zur Ressourcenschonung und somit zur Kampagne “Gemeinsam wirkt - St.Gallen wird klimaneutral”.
Fazit
Die Sportboxen treffen den Puls der Zeit: unkompliziert, zugänglich, generationenübergreifend. Sie bringen Freude an der Bewegung dorthin, wo Menschen leben – auf Pausenplätzen, in Parks, in Quartiere. Ein Angebot, das rege genutzt wird – und somit bewegt.
Mehr Informationen
über die Sportboxen:
https://www.sport.stadt.sg.ch/home/sport-im-freien/boxup.html- über Sharing Initiativen in der Stadt St.Gallen:
sharegallen.ch